Baby-Notarztwagen nimmt seine Arbeit auf

Im Herbst 2016 erhielten wir endlich die lang erwartete Importfreigabe durch die moldawische Regierung.

Rückblick: Weit über ein Jahr ist es her, dass uns der DRK-Kreisverband Böblingen einen ausgedienten Baby- Notarztwagen überlassen hatte. Mithilfe von Spendern und Förderern konnten wir das Fahrzeug vollständig renovieren und modernisieren. Als es um diese Planung und Umsetzung ging, war als kompetente Fachkraft Aurelia Giordano zur Stelle. Sie ist langjährige Kinderkrankenschwester am Olgahospital des Klinikums Stuttgart und gab viele nützliche  Hinweise für einen optimalen Umbau, um den Transport von Frühchen sicherer und komfortabler zu machen.

Dann aber mussten wir den Notarztwagen für lange Zeit parken, weil wir uns die Einfuhrgenehmigung nach Moldawien fehlte. Firma Müller - Die lila Logistik AG hat uns eine großzügige Unterstellmöglichkeit gegeben, wofür wir uns ganz herzlich bedanken!

Vor einigen Wochen nun ist das Fahrzeug mit Unterstützung von KS-Logistik am Zielort Bălți angekommen. Erneut war Aurelia Giordano als freiwillige Helferin mit dabei und übergab im Namen von Project HOPE e.V. den Notarztwagen seiner Bestimmung. Sie führte die Einweisung für das Personal durch und machte deutlich, wie man kritische Situationen bei der Fahrt über „schwieriges Gelände“ und mit „sehr empfindlicher Fracht“ bewältigen kann. Nur durch besondere Achtsamkeit ist gewährleistet, dass das Neugeborene sicher den Zielort erreicht. Mit ebenso großem Engagement war sie bei der Sache, um auf der Neonatal-Station an ihrer Erfahrung teilhaben zu lassen. Sie erläuterte unter anderem, wie die Frühgeborenen optimal zu lagern, zu beatmen und mit Medikamenten zu versorgen sind.

Freude und Dankbarkeit bei Ärzteschaft und Pflegepersonal waren spürbar groß, denn die gesamte Region im Nordwesten von Moldawien wird vom neuen Baby-Notarztwagen profitieren. Wir bedanken uns vielmals bei Frau Giordano für ihren beispielhaften Einsatz und würden uns freuen, wenn sie uns weiterhin aktiv begleitet.

Haben Sie auch Interesse, sich bei uns persönlich einzubringen? Wir sind froh über jeden Mitmacher, über jede Mitmacherin! Melden Sie sich einfach per Mail oder per Anruf. DANKE!

Lesen Sie hier, was Aurelia Giordano über dieses Erlebnis berichtet.

 

Wie hast Du von Project HOPE gehört?

Die Tochter des Projektleiters Achim Eckert arbeitet ebenfalls seit vielen Jahren in der Stuttgarter Kinderklinik „Olgäle“. Dadurch kam der Kontakt zustande, als er für Project HOPE eine „Beraterin“ suchte, um einen vom DRK ausrangierten Baby-Notarztwagen zu modernisieren und umzubauen. Wir sind zum Hersteller der Ambulanz ins Remstal gefahren, wo ich Tipps gegeben habe, worauf man beim Umbau zu achten hat und welche Dinge beim Notfalleinsatz wirklich sinnvoll und praktisch sind. Das Ergebnis konnte sich am Ende wahrhaftig sehen lassen!

Was hat Dich zur freiwilligen Hilfe animiert?

Na ja, ich wusste, dass das Fahrzeug irgendwann seiner Bestimmung übergeben werden müsste. Da habe ich frühzeitig mein Interesse bekundet, dass ich gerne dabei sein würde. Zum Glück hat es dann auch mit meiner Urlaubsplanung geklappt.

Natürlich war es spannend in ein Land zu fahren, das nicht auf den Reiselandkarten verzeichnet ist! Ich habe jedoch längst gelernt, mit minimalem Aufwand zu reisen und zu arbeiten. Für die Woche in Moldawien war mir wichtig, zu helfen und auch selber für mich eine solche Erfahrung zu sammeln!

Was hast Du in Moldawien, in Bălți, erlebt?

Außerhalb der Hauptstadt Chişinău, bei der Fahrt in den Norden des Landes habe ich gesehen, dass dort ein Leben stattfindet, wie bei uns vor 60 oder 80 Jahren. Und doch herrscht ein hohes Maß an Zufriedenheit; die Menschen sind einfach bescheiden und genügsam.

Die Zustände im Krankenhaus in Bălți haben mir einmal mehr gezeigt, dass Medizin sinnvoll betrieben werden kann, auch mit wenig Mitteln, die einem zur Verfügung stehen. Für uns ist das kaum vorstellbar, da wir doch selbst auf allerhöchstem Niveau oft nicht zufriedenen sind und jammern.

Was hat Dich überrascht?

Nun, zunächst wurde ich schon bei der Anreise am Flughafen Stuttgart überrascht. Ich hatte ja im Gepäck einen Notfallrucksack für den Notarztwagen mitgenommen, in dem sich eine ganze Reihe von Utensilien befanden, die man für einen Notfalleinsatz benötigt und die ich für die Einweisung verwenden wollte. Einem Spürhund hat das aber gar nicht gefallen und ich wurde zur genauen Gepäckkontrolle in einen separaten Raum gebeten. Da ist’s mir schon ein bissle warm geworden! Würde ich es noch rechtzeitig zum Flieger schaffen? Kann ich alle Materialien komplett mitnehmen? Es hat vieler Erklärungen bedurft, bis ich dann doch die Reise endgültig beginnen konnte!

In Bălți dann war ich wiederholt erstaunt, dass man auch dort, ebenso wie in den Ländern von Südamerika oder Asien, mit einfachen Mitteln leben, überleben und Leben retten kann. Da hatte ich aufrichtigen Respekt.

Eine weitere Überraschung gab es übrigens in der Klinik, als ich unvermittelt zu einem Interview des lokalen Fernsehsenders eingeladen wurde. Das TV-Team war zufällig im Haus, um das „Valentin-Baby“ zu filmen, das also am 14. Februar geboren worden war. So konnte ich ein wenig Werbung machen für Project HOPE und erläutern, wie wichtig die richtige Versorgung von Frühgeborenen ist und worauf es dabei ankommt. Die Zuschauer sollen doch wissen, welche tolle Arbeit Project HOPE leistet und wie sich das positiv auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirkt.

Welche Eindrücke hast Du mit heimgenommen?

Die Herzlichkeit des Empfangs und die große Freude beim Eintreffen des Notarztwagens waren überwältigend. Das Team der Klinik war sehr engagiert und ich fand eine rasche Akzeptanz in der Abteilung. Der Wissensdurst war unheimlich groß. Wie Schwämme haben Ärzte und Pflegepersonal alles aufgesogen, was ich zu vermitteln suchte.

Spannend verlief die Einweisung im Notarztwagen: es war eine besondere Herausforderung, dem Fahrer des Wagens deutlich zu machen, dass man auf den rumpligen Straßen von Moldawien nicht brettert, sondern dass man wie auf rohen Eiern fahren muss, um die Gesundheit des Babys im Brutkasten nicht zu gefährden. Zuerst haben wir das mit einer Puppe geübt, sodass beim nachfolgenden Ernstfall alles gut verlief.

Viele freundliche Gesten und zahlreiche Geschenke hat man mir auf den Weg nach Hause mitgegeben und lassen mich gerne an dieses beindruckende Erlebnis zurückdenken.

Würdest Du wieder mitmachen?

Ohne Frage, sehr gerne, zu jeder Zeit! Solche Arbeit vor Ort ist eine aufregende und befriedigende Sache. Vielleicht ergibt sich eine neue Gelegenheit beim aktuellen PeriMAC, wer weiß?

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